„Hamlet“ am HGF

Wie viel Wucht ein Klassiker entfalten kann, zeigte der Oberstufentheaterkurs mit seiner Inszenierung von Shakespeares „Hamlet“. Zweieinhalb Stunden lang zog das Ensemble das Publikum in eine Welt aus Zweifel, Wahnsinn und Wahrheitssuche – und machte dabei deutlich, wie aktuell dieses Drama bis heute ist.

Eine Besonderheit der Aufführung lag in der Textgrundlage: Gespielt wurde eine eigene Übersetzung, die im P-Seminar Englisch 2024/25 unter der Leitung von Gary Friday entstanden war. Ziel war es, Shakespeares Sprache zugänglicher zu machen und zugleich ihre Vielschichtigkeit zu bewahren – ein Anspruch, der auf der Bühne eindrucksvoll umgesetzt wurde.

Unter der Regie von Ruth Konrad, unterstützt von Anna Frank und Katharina Deinhardt, entstand eine reduzierte, konzentrierte Inszenierung. Das minimalistische Bühnenbild – lediglich drei Tücher und zwei Stühle – schuf mit überraschend einfachen Mitteln immer neue Räume und lenkte den Blick ganz auf das Spiel der Darstellenden.

Im Zentrum stand Joel Biermann als Hamlet, der die Zerrissenheit der Figur mit großer Intensität verkörperte. Sein Spiel ließ die Grenzen zwischen gespieltem und echtem Wahnsinn verschwimmen und machte Hamlets inneren Konflikt unmittelbar spürbar. An seiner Seite beeindruckte Lara Petnaise als Ophelia mit einer sensiblen und berührenden Darstellung. Cecilia Christ verlieh Polonius sowohl Strenge als auch menschliche Tiefe, während David Möhrle den Claudius als machtbewussten und zugleich innerlich getriebenen Herrscher zeichnete. Anna Wagner gestaltete Gertrude differenziert zwischen Anpassung und innerem Konflikt. Für besondere Gänsehautmomente sorgte Svenja Schubert als Geist des toten Königs, der – weiß hinter Vorhängen schemenhaft sichtbar – eine unheimliche Präsenz entfaltete.

Auch alle weiteren Darstellerinnen und Darsteller überzeugten durch ihr engagiertes und nuanciertes Spiel und machten die beiden Theaterabende zu einem rundum gelungenen Erlebnis.