Ijsselmeer – eine Woche segeln


Ein Bericht zur Studienfahrt auf dem Ijsselmeer im Juli 2017.


Fotos: privat

Tag 1:
25 heitere, aber müde Gestalten sammeln sich 6:45 Uhr vor der Herder-Halle, dazu kommen Frau Konrad und Frau Schmidt. Obwohl die Strecke von ca. 800km per Bus recht lange dauert (die Zeit bringen wir erfolgreich herum mit Netflix und Deutschrap), sind wir schneller am Ziel als erwartet. Da das Schiff noch nicht frei ist, müssen wir auf dem Anlegesteg warten, unser Gepäck dort abladen und dann in Schichten darauf aufpassen, während die anderen in Harlingen Eis essen oder Pommes kaufen. Harlingen sieht wirklich sehr niederländisch aus – die Häuser sind sehr schmal, ständig läuft man über eine Brücke oder neben einem Kanal. Um kurz nach 20 Uhr können wir das Schiff beziehen, bekommen Einweisungen („nicht zuviel Wasser verbrauchen, es gibt nur 120 000 Liter") und die Zimmer verwüsten – oder wie man das nennt, wenn nach kurzer Zeit in den engen Kabinen mit Doppelstockbetten der Boden voller leerer Flaschen und Kleidungsstücken liegt.
Zur Sonnenuntergangszeit gehen wir auf den Kai, um die Sonne besser versinken zu sehen.

 


Tag 2:
An diesem Tag verlässt unser Schiff, ein 1902 gebautes Binnenfrachtschiff, um genau 7:27 Uhr den Hafen. Auf dem Wasser lernen wir die wichtigsten Knoten, die man sich erstaunlich leicht ein- prägen kann. Dann werden die Segel gehisst, zum Teil ziehen alle am Seil, weil das Segel so schwer ist. Nach dieser kleinen Kraftaufgabe sieht man einen nach dem anderen nach unten verschwinden und kurze Zeit später wieder mit Handtuch und Bikini bzw. Badehose wieder an Deck erscheinen. So liegen bald alle in der Sonne, aufgereiht wie Fische in der Dose nebeneinander. Andere können sich damit nicht begnügen, und so schauen manche vorne über die Reling ins Wasser und beob- achten Quallen.
Nachmittags gibt es irgendwann einen feinen Ruck, denn wir sind auf das Watt aufgefahren. Die Skipperin erklärt uns mathematisch die Eigenschaften von Ebbe und Flut, und dass wir jetzt zwei Gezeiten festsitzen und erst am nächsten Tag um 12 Uhr wegkommen. Die Zeit lässt sich durch Schwimmen und später Wattwanderungen schnell vertreiben. Während einige sich schon bald wie- der auf das Schiff zum Sonnen zurückziehen, laufen andere umher und suchen Krebse und Seester- ne, auch der Hund des Schiffes spielt mit – er versucht sich am Krebse zerbeißen, ein mehr oder weniger schönes Schauspiel für uns. Danach gibt es Spaghetti mit drei verschiedenen Soßen; spätes- tens jetzt fällt auf, dass ein paar Leute eine Karriere als Meisterkoch anstreben könnten. Auch dieser Sonnenuntergang ist ein Spektakel – ein Schiff auf dem Meer, kein Wasser zu sehen, und die Sonne geht unter. Vier der Schiffspassagiere trauen sich sogar, die Nacht auf dem Deck zu schlafen.


Tag 3:
Nachts war das Schiff wieder von Wasser umgeben, am Morgen aber ist Ebbe. Da uns die Skipperin erklärt hat, dass sich durch die schrumpfenden Wände bei Ebbe die Türen verklemmen können, war in der Nacht jede Tür offen. Zur Mittagszeit können wir wieder losfahren, denn dann kommt die Flut, in einem Rutsch und so schnell, dass man zuschauen kann, wie das Wasser steigt. Bis dahin spielen wir BlackStorys. Der Wind ist ziemlich stark, so stark, dass es trotz kräftiger Sonne kalt ist. Das Schiff fährt indes so schnell, dass sich im Bug bald keiner mehr ohne Regenjacke aufhält, da die Wellen einmal quer darüber brechen. Wir fahren gegen den Wind, das heißt im Zickzackkurs, sodass das Segeln alle fünf Minuten von einer in die andere Seite schwingt. Unter Deck gibt es wahre Gehprobleme – durch das schwankende Schiff und die fehlende Sicht nach draußen läuft je- der schief und gegen alle Wände. Zur Freude derer, die zuschauen. Wir spielen „Elfer raus".
Unser Ziel ist die Insel Vlieland, die wir nachmittags erreichen. Mit wirklich erstaunlicher Präzision lenkt unsere Skipperin das Schiff längs in eine Lücke, die selbst nur so groß ist wie das Schiff. Wir gehen duschen und in das nächste Fischerdorf zum Einkaufen und bummeln. Spät abends gehen alle gemeinsam, mit Ausnahme der Lehrer, zu den nahe gelegenen Dünen, um dort eines unser belieb- testen Spiele zu spielen: Werwolf. Erst als die Sonne längst untergegangen ist, gehen wir zurück.


Tag 4:
Nach einem Frühstück mit Vanillevla (so etwas wie Flüssigpudding) und Hagelslag (Schokostreu- sel) geht es direkt in die Schnellboote, die für uns schon bereit liegen. Unser Ziel ist diesmal die be- nachbarte Insel Terschelling, mit einem Abstecher zu einer Robben-Sandbank. Die beiden Boote ge- ben tatsächlich ziemlich Gas, und nachdem sie uns schon abgesetzt haben, dürfen wir nochmal ein- steigen und näher zu den niedlichen Tieren hinfahren. Danach laufen wir an der Nordsseküste ent- lang, neben uns schwimmt lange Zeit eine Robbe. Diese etwas längere Wanderung durch scharfkan- tige Scherben und Muschelstücke zwischen Dünen macht trotzdem Spaß, besonders als wir unser Schiff im Hafen wiederfinden, das aus Vlieland mit dem Motor hinterher gefahren ist. Nach einer ersten Erkundung des Dorfes geht es mit dem Fahrrad an die Nordküste der Insel. Die geliehenen Fahrräder stellen einige von uns vor Probleme, weil die Bremsen nicht funktionieren oder der Sattel zu hoch ist. Die Landschaft sieht aus wie aus einem Märchen – grüne Dünen und Kiefernwald. Die Zeit bis zum Strand ist von etwas Verwirrung geprägt, denn eine Gruppe fährt falsch, kommt zwar an, aber davor gibt es Diskussionen, welcher Weg nun der richtige war.
Am Strand ist die Stimmung dank Sonne, Musik und Meer perfekt. Fast alle rennen ins Wasser, blö- deln herum. Als drei von uns am Strandbistro über 40 € für kleine Snacks ausgeben, ist die Stim- mung nicht wirklich getrübt. Wir spielen Karten und unterhalten uns.
Als aber auf dem Rückweg die meisten zu früh alleine zurückfahren, gibt es Ärger – der hält glück- licherweise nicht lange an.
Nach dem Abendessen (Reis mit Geschnetzeltem) spielen wir mal wieder UNO, unser anderes Lieblingsspiel, und Werwolf auf dem Deck. Und dann sitzen wir draußen und unterhalten uns.


 

Tag 5:
Morgens können wir noch einmal das Dorf besichtigen, wir essen dort Pannekoeken und Fischbröt- chen und spielen den Vormittag über Werwolf. Um 13 Uhr fahren wir zurück nach Harlingen, da der Wind günstig steht. Die Rückfahrt vergeht erstaunlich schnell, wir sonnen uns wieder, allerdings ist diesmal wieder Wellengang, deshalb schwappen Wellen und machen uns nass. Das stört aber nicht, immerhin ist das unsere letzte Fahrt und der Abschiedsschmerz ist schon bemerkbar. In Harlingen besuchen wir wieder die Innenstadt, essen panierten Fisch und Muscheln und kaufen Pullis und Schokolade, laufen durch die Gegend. Am Abend gibt es ein Essen, dass alle anderen toppt, dass auch zeitlich am aufwendigsten war – Hamburger mit selbst gemachtem Fleisch. Wir spielen eine Riesenrunde UNO, bei der manche unter wildem Jubel meisterhafte Kartenfolgne ablegen. Die ersten packen. Und der letzte niederländische Sonnenuntergang wird dort beobachtet, wo wir den er- sten bereits besichtigt haben.


Tag 6:
Der Tag der Heimreise – er ist leider da. Wir fahren nach einem Abschiedsfoto und mit einem ver- stärkten Gemeinschaftsgefühl nach hause. Dummerweise gibt es so viel Stau, dass wir eine Stunde warten müssen, bevor wir noch eine dreiviertel Stunde heimfahren. Wir spielen das Kartenspiel Lügner oder schauen Netflix weiter. Schließlich kommen wir erschöpft und fröhlich an der Herder- Halle wieder an.

Das Beste an dieser Studienfahrt war, natürlich auch das Wetter und die einmalige Erfahrung mit dem Segelschiff, aber besonders die gemeinsam verbrachte Zeit. Vielen Dank auch an Frau Konrad und Frau Schmidt für eher freundschaftlichen als streng autoritären Umgang mit uns (man denke an den Rosenwein...). Ich denke, wir alle werden diese Studienfahrt lange in Erinnerung behalten.