Schule und Studium gleichzeitig? – Vielleicht auch etwas für dich!


„Bist du jetzt eigentlich Schüler oder Student?" Diese Frage höre ich seit diesem Schuljahr öfter. Ich bin Schüler in der Q11 am Herder-Gymnasium Forchheim und studiere nebenher Klavier an der Hochschule für Musik in Würzburg. Die Antwort lautet also: Beides. Wie es dazu kam, wie viel Aufwand das bedeutet und warum ich das mache, möchte ich an dieser Stelle berichten.

Im Herbst 2020 sprach mich mein Klavierlehrer Herr Schmidmeier auf das PreCollege-Programm in Würzburg an, ein Frühstudium neben der Schule für begabte Musiker. Da ich während des Lockdowns auf der Suche nach Herausforderungen war, spielte ich einer Dozentin in Würzburg, Frau Goldbeck, vor, die mich daraufhin als Schüler aufnahm. In einer sehr intensiven Zeit bereitete sie mich auf die Aufnahmeprüfung für das PreCollege vor, die ich im Juni 2021 überraschend bestand. Seit meiner Immatrikulation mit dem Wintersemester 2021/22 darf ich mich nun offiziell „Kollegiat des PreCollege der Hochschule für Musik Würzburg" nennen.

Als Kollegiat habe ich wöchentlich mindestens 90 Minuten Klavierunterricht in Würzburg (meine Lehrerin überzieht meistens), außerdem besuche ich alle zwei Wochen Kurse in Allgemeiner Musiklehre und Tonsatz (Hausaufgaben sind verboten). Wenn ich Lust habe, kann ich monatlich in einem Saal der Hochschule meine erarbeiteten Stücke öffentlich vorspielen. Ebenfalls freiwillig kann ich Kurse in Dirigat oder Kammermusik besuchen. Das Studium findet immer am Wochenende, meist Freitag oder Samstag, oder in den Ferien statt.

Zusammengenommen ist der Aufwand folglich recht überschaubar, und das Studium ist gut mit der Schule verbindbar. Die meiste Zeit nimmt dabei natürlich das Üben in Anspruch. Auf den Zugfahrten nach Würzburg, die meistens knapp eineinhalb Stunden dauern, kann ich für den Jahresbericht meiner Schule einen Text über mein Studium schreiben oder andere Schulsachen erledigen und lernen. Falls dann doch mal eine Weiche kaputt oder eine Schafherde im Gleis ist, bin ich auf die nächsten Unterrichtsstunden in der Schule besonders gut vorbereitet. Oder besonders schlecht, weil ich nur noch genervt aus dem Zugfenster gestarrt und Musik gehört habe.

Obwohl das viele denken, steht für mich keinesfalls fest, dass ich nach dem Abitur etwas mit Musik bzw. Klavier studiere. Auch meine Dozenten üben hier keinerlei Druck auf mich aus. Im Vordergrund steht eine vertiefte musikalische Ausbildung, die mir sehr viel Spaß macht und eine wertvolle Erfahrung ist, egal, welchen Weg ich nach dem Abitur einschlage.

Allen, die eine Leidenschaft für ihr Instrument besitzen und diese gerne vertiefen möchten, kann ich nur empfehlen, in Würzburg vorzuspielen. Nie hätte ich geglaubt, dass ich die Aufnahmeprüfung bestehen würde – aber ich bereue nichts und freue mich umso mehr über diese großartige Möglichkeit!

Nicolai Prechtel (Q11)