Betriebsbesichtigung


Betriebsbesichtigung - einmal anders

Am 5. Juli 2019 besuchte der Q11-Wirtschafts- und Rechtskurs von Herrn Stumpf die Justizvollzugsanstalt Bamberg in ihren denkmalgeschützten Mauern in der Oberen Sandstraße 38.

Da Gefängnisse üblicherweise dezentral liegen und nicht mitten im Zentrum, wie in Bamberg, wurde bei diesem Gefängnis besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen, so sind z.B. die vergitterten Türen mit zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen ausgerüstet. Zudem kann die die äußerste Tür nur per Knopfdruck von der Schaltzentrale geöffnet werden. Der Häftling kommt also mit einem gestohlenen Schlüssel vom Wärter nicht aus dem Gefängnis heraus.
Diese strengen Sicherheitsvorkehrungen sind von Nöten, aber in der JVA Bamberg sind eher „harmlosere" Häftlinge gefangen, was einem den Eindruck verleiht, dass die Sicherheitsvorkehrungen übertrieben sind. In die JVA Bamberg werden nur männliche Häftlinge aus den Landgerichtgerichtsbezirken Bamberg und Schweinfurt inhaftiert, deren Freiheitsstrafe zwischen 1 und 2 Jahren liegt, außerdem diejenigen, die in Untersuchungshaft sitzen. Bei Frauen sieht das Ganze ein bisschen anders aus: Die Häftlinge haben eine Höchststrafe von drei Monaten und kommen aus den Landkreisen Bamberg, Bayreuth, Coburg und Hof. Natürlich liegt in dieser Anstalt eine strikte Gendertrennung vor. Ein Großteil der ca. 200 Inhaftieren sitzt aufgrund von Drogengeschäften, unter ihnen sind auch verhältnismäßig viele Ausländer.
Zudem werden in die JVA Bamberg auch Menschen inhaftiert, die erhobene Bußgelder nicht zahlen und somit gegen Privatrecht verstoßen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kapazität der Anstalt überlastet ist; daher müssen aktuell Männer auf vorgesehene Frauenplätze verlegt werden.
Die Hauptaufgabe von Gefängnissen, die Häftlinge zu resozialisieren, gelingt nicht zufriedenstellend. Dies hat vor allem finanzielle Gründe, wie z.B. zu wenig psychologische Behandlungen oder zu wenig sportliche Aktivitäten. Das fehlende finanzielle Budget ist auf die fehlende Finanzausgaben des Staates zurückzuführen.
Zum anderen kommen die Gefangenen aus solch schwierigen sozialen Verhältnissen, dass eine Resozialisierung nach der Haft oft nur schwer möglich ist.
Die einzige wirklich gute Maßnahme zur Eingliederung in die Gesellschaft ist das Arbeiten im Gefängnis. Dadurch lernen die Häftlinge, ihre verfügbare Zeit sinnvoll zu gestalten und können vielleicht sogar einen Nutzen daraus ziehen.
Ihr Stundenlohn liegt zwischen 1,00 € und 3,00 €. Der Großteil dieses Geldes wird verpflichtend für die ersten Tage nach der Haftentlassung gespart. Zudem hat das Gefängnis dadurch eine Einnahmequelle. Diese Einnahmen decken aber nur einen kleinen Teil der Gefängniskosten ab. Ein Großteil der Kosten übernimmt der Steuerzahler. Außerdem werden die Häftlinge von den mit den Gefängnissen kooperierenden Unternehmen insgesamt schlecht bezahlt, was auch damit zu tun hat, dass die Inhaftierten erst angelernt werden müssen und in der JVA Bamberg nicht sehr lange in Haft sind, also nur eine kurze Zeit dort arbeiten können. Die Folge ist, dass die Häftlinge bei der Arbeit unmotiviert sind und sehr langsam arbeiten. Dieser geregelte Tagesablauf soll die Häftlinge aber auf die Zeit nach der Haftstrafe vorbereiten; leider funktioniert das oft nicht in der gewünschten Weise, da die Betroffenen draußen häufig nicht einer geregelten Arbeit nachgehen.
Zum Schluss lässt sich sagen, dass vor allem der rohe Umgang in Gefängnissen und die Tatsache, dass sich die Häftlinge abends 12 Stunden in den Zimmern ohne Überwachung mit einer Gruppengröße von bis zu 5 fremden Menschen aufhalten müssen, zu einer gewissen Beklemmung bei den Schülern geführt hat. Nach dem Verlassen der Anstalt brachte das den einen oder anderen zum Aufatmen.

Luis Kobras, Q11

(Stand 25.07.19)


Der Wirtschaftskurs 11wr1 mit Herrn Stumpf vor der JVA Bamberg.

(Foto: privat)