Planspiel "DDR" am herder-Gymnasiums


Planspiel „DDR" (29. – 31.01.2019) am Herder-Gymnasium Forchheim, in Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung

Mittwoch, später Vormittag. Wir befinden uns mitten in einem Planspiel, das eine interaktive Zeit-reise in die DDR beinhaltet. Dabei schlüpfen wir, Schüler und Schülerinnen einer zehnten Klasse des Herder Gymnasiums Forchheim in verschiedene Rollen, um uns in die Zeit der DDR zu versetzen, um uns mit damals gängigen Methoden der politisch Mächtigen vertraut zu machen und Geschichte zu „erleben".

Wir, die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10b, werden in drei verschiedene Gruppen eingeteilt. Die Aufgabe der ersten Gruppe ist es, eine Band zu gründen, die dank eines Pfarrers in der Kirche proben und spielen darf. Allerdings wollen sie auch öffentlich auftreten, dafür müssen sie aber bei der zweiten Gruppe, der SED-Kreisleitung, einen Antrag stellen. Jedoch weiß diese bereits, durch Bespitzelung der Band durch die Kreisdienststelle der Stasi, der dritten Gruppe, dass sich unter den Liedern der Band nicht nur harmlose, sondern auch Texte mit versteckter Kritik am System befinden.

In der Kreisleitung der SED sitzen mehrere Schüler in der Rolle von Sekretären zusammen und beraten über das weitere Vorgehen gegen die Musikgruppe. Eines ist klar, die Gruppe muss schnellst möglich zerschlagen werden, aber wie? Mehrere Zersetzungsmethoden werden diskutiert, schlussendlich beschließt man, zuerst einmal auf weniger offensive Mittel zurückzugreifen und erarbeitet für jedes Bandmitglied einzeln einen verlockendes Angebot. Dabei orientiert man sich an den persönlichen Interessen der Musiker. Des Weiteren werden Studien- und Arbeitsplätze möglichst weit auseinander gelegt, um die Band auch räumlich zu trennen.

Derweil wird im Raum gegenüber ein Name für die Band gesucht, fleißig Songtexte verfasst und Biographien werden gelesen, die SchülerInnen gehen ihre Rollen durch und besprechen sich.

Währenddessen werden in der Gruppe der Staatssicherheit in einer sehr kurzen Zeitspanne alle möglichen, damals üblichen Bespitzelungsmethoden, von Brief- und Postkontrolle über Telefonüberwachung bis hin zu Verhörtechniken kennengelernt und geübt, die später auch angewandt werden sollen.

Mittlerweile werden die Bandmitglieder einzeln zur Kreisleitung gebeten, die ihnen Vorschläge zu möglichen Arbeits- und Studienplätzen unterbreitet. Außer einem Bandmitglied stimmen alle zu, nach einer zweiten Einladung willigt schließlich auch die Schlagzeugerin ein, allerdings tritt sie nun anstelle eines Fachschulstudiums einen Arbeitsplatz in einer Fischverarbeitungsfabrik in der Nähe von Rostock an.
Nach einer weiteren Einladung einzelner Bandmitglieder zur Kreisleitung und auch zur Stasi wird der Musikgruppe erlaubt, sogar an einem Wettbewerb teilzunehmen und später auch live zu spielen. Stasi und SED-Kreisleitung rechnen beide damit, dass die Band etwas für die Veranstaltung geplant hat, jedoch verläuft alles reibungslos, da die Band von einem in Aussicht gestellten Plattenvertrag sehr angetan ist und diesen nicht durch eine Widerstandsaktion aufs Spiel setzen möchte.

Betreut werden die einzelnen Gruppen während des Planspiels von Birgit Hillmer, einer ehemaligen Lehrerin in der DDR, ihrem Mann Uwe Hillmer, dem Entwickler des Planspiels und Hansjost Dörken. Alle drei sind, wenn sie nicht als Planspieler unterwegs sind, in der Gedenkstätte in Berlin-Hohen-schönhausen angestellt.
Nach einem langen Tag endet das Planspiel schließlich mit einer Abschlussbesprechung aller Gruppen.

Alles in allem ist das Planspiel eine gelungene Sache. Anders als im Unterricht, wo immer nur über die damalige Zeit berichtet und trockene Fakten bearbeitet werden, durften die Schüler Geschichte quasi „erleben" und selbst in Rollen schlüpfen. Teilweise war man so in seine Rolle vertieft, dass man ganz vergessen hatte, dass das alles nur ein Spiel ist, und nicht die Realität, auch wenn es sich mitunter sehr real anfühlte. Es kam sogar unter einigen Schülern zu temperamentvollen und energiegeladenen verbalen Auseinandersetzungen.
Das Planspiel war für uns alle eine sehr ereignisreiche und einzigartige Erfahrung, bei der wir zum Teil mehr gelernt haben, als in so mancher Unterrichtsstunde. Denn es war sehr interessant zu erfahren, welche Konsequenzen systemkritisches Handeln in einem System wie der DDR hatte und was Macht mit Menschen machen kann.

Ich denke, wir haben alle nicht nur viel über die DDR gelernt, sondern auch über die Werte einer Demokratie, und wie wichtig diese sind. Außerdem bezog sich an diesem Tag nicht alles auf die Vergangenheit, denn manche Diskussion während der Spielvorbereitung betraf aktuelle politische Themen.

Lina Engemann, 10b