Unterstufentheater


Die Projekte des Unterstufentheaters in den vergangenen Schuljahren: 


Der Herr der Diebe" am Herder

Nicht nur einen unvergesslichen Abend bereiteten die Schülerinnen und Schüler des Herder-Gymnasiums ihren Zuschauern. Am 18. und 19.07.2019 spielte die Unterstufentheatergruppe in zwei unterschiedlichen Besetzungen „Der Herr der Diebe", nach dem bekannten Jugendroman von Cornelia Funke.

Die beiden Waisenkinder Prosper und Bo verstecken sich zusammen mit einer Gruppe von Straßenkindern in einem alten, verlassenen Kino, dem Stella. Prosper, wunderbar warmherzig von Hannah Weidt und Melissa Kröppel gespielt, kümmert sich rührend um seinen kleinen Bruder Bo, der viel lieber seinem Vorbild, dem „Herrn der Diebe", nacheifern würde, als auf den großen Bruder zu hören. Sowohl David Burger als auch Mathilda Geiling verwandeln die Figur zu einem äußerst sympathischen kleinen Spitzbuben, den man gerne selbst adoptieren würde. Prosper und Bo sind auf der Flucht vor ihrer Tante Esther Hartlieb und deren Mann Max. Sie wollen Bo adoptieren, Prosper aber in Waisenhaus stecken. Herrlich unsympathisch mimen Miriam Ruffani und Isabel Pacani die boshafte Tante. Sie engagiert zusammen mit ihrem Mann Max, gekonnt von Marie Zimmermann und Ben Schanda verkörpert, einen Privatdetektiv namens Victor Getz. Dieser wird hinreißend komisch von Joel Biermann gespielt, Katharina Deinhardt hingegen interpretiert die Figur mit beeindruckender Ernsthaftigkeit und Warmherzigkeit.
Der Detektiv kommt den Kindern bald auf die Spur und findet schnell heraus, dass der vermeintliche Herr der Diebe eigentlich ein Sohn aus reichem Hause ist, der seinen Freunden nur etwas vorspielt und die Beute schlichtweg aus dem Haus seiner Eltern „mitgehen" lässt. Diese ambivalente Figur verkörpert zum einen Leonie Wachsmann, die die innerliche Zerrissenheit des Jungen besonders gut nachempfinden lässt. Johannes Fuchs verleiht ihm eher eine charmante Lässigkeit. Mitleid erregt er hingegen, wenn er seinem autoritären und lieblosen Vater gegenübertreten muss. Adrian Müller und Ben Schanda gelingt es, dieser Vaterfigur eine beeindruckende Präsenz zu verleihen. Ein besonderes Vergnügen in all ihrer temperamentvollen und facettenreichen Darstellung sind die anderen Kinder der Bande: Nina Haas und Jana Wehrberger als Mosca, Lilli Belohlavek und Sarah Theurich als Riccio, Fiona Walz und Johanna Muck als Wespe. Perfekt verkörpern sie die Straßenkinder, die aus Not auch mal in fremde Taschen greifen, dabei aber ihr gutes Herz nie verraten.
Wirklich spannend wird es, als ihnen ein Auftrag von Barbarossa, einem zwielichtigen Hehler, vermittelt wird. Beeindruckend wird dieser Rotbart von Louis Lieberth dargestellt. Die Bande soll einen alten Flügel für den Conte stehlen, der zu einem magischen Karussell gehört, das Kinder zu Erwachsenen und Erwachsene zu Kindern machen kann. Der Conte steht am Ende seines Lebens und will wieder zum Kind werden. Dafür fehlt ihm aber der besagte Flügel. Den beiden Contes, Ella Kober und Eva-Laura Wöhrmann, kauft man das gespielte Alter trotz ihrer Jugend gerne ab.
Um die versprochenen 5000 Euro zu bekommen, brechen die Kinder schließlich in das Haus Ida Spaventos ein, wunderbar warmherzig und humorvoll von Anna Frank und Ada Basal gespielt. Diese Ida ertappt die Diebesbande bei ihrem Einbruch, erkennt aber sofort, dass die ungebetenen Gäste alles andere als kriminell sind. Sie verbündet sich mit ihnen, um dem magischen Karussell auf die Spur zu kommen. Es befindet sich auf der Isola Segreta. Prosper und Bo machen sich auf den Weg dorthin, denn ihr Ziel ist es, erwachsen zu werden, um sich von ihren Peinigern aus der Erwachsenenwelt nichts mehr vorschreiben zu lassen. Während der Conte durch eine Fahrt auf dem Karussell wieder zum Kind wird, das sowohl von Emma Hoser als auch von Nathalie Kappler überzeugend gespielt wird, gelingt es Scipio stattdessen zum Erwachsenen zu werden. Er wird nun jeweils von Ben Schanda und Adrian Müller verkörpert. Doch für Prosper gibt es keine Möglichkeit mehr, mit einer Fahrt auf dem Karussell seinen Wunsch zu erfüllen, denn der gierige Barbarossa macht seinen Plan zunichte. Er folgte ihnen in der Annahme, sich Diamanten und Perlen ergaunern zu können, aus Wut und Enttäuschung, dass es sich bei der Beute für den Conte nur um ein verrottetes Karussell handelt, greift er zu einer Fackel und steckt es in Brand.
Esther und Max haben Bo währenddessen aufgespürt und mit Hilfe der Polizei, von Anna Preuß und Judith Büttner gemimt, gefangen. Beide Schülerinnen beeindrucken übrigens in weiteren Nebenrollen, wie zum Beispiel als Kundinnen von Barbarossa oder auch als couragierte Passantinnen, die Victor Getz verprügeln.
Mit einer List gelingt es Scipio aber letztlich doch, dass Prosper und Bo zusammen bleiben können. Er schreckt Esther und Max, getarnt als Beamter der Stadtverwaltung, gründlich von einer Adoption ab, indem er ihnen weismacht, sie müssten eine Gebühr von 100.000 Euro bezahlen. Stattdessen werden die Kinder zusammen mit dem Rest der Bande von Ida Spavento herzlich aufgenommen. Scipio aber wird als Assistent von Victor Getz sein Auskommen finden.

Umrahmt wurde das vergnügliche und zugleich spannende Schauspiel von den malerischen Kulissen Venedigs, die M. S. mit seinen hervorragenden Zeichnungen schuf. Er fand zudem mit der Gestaltung zweier Drehbühnen eine ideale Lösung, um unterschiedliche Schauplätze zu kreieren. So fühlte man sich als Zuschauer beinahe, als stünde man gerade selbst auf der Rialtobrücke, nicht zuletzt, da eine Gondel über die Bühne glitt. Wunderschön erstrahlten schließlich die Karussellfiguren im blauen Licht. Ein geflügelter Löwe, ein Wassermann, ein Seepferdchen und ein Einhorn wurden mit größter Professionalität von André Biermann eigens für dieses Stück gebaut. Apropos Licht, wie in den vergangenen Jahren stellte Marcus Wachsmann sein Profi-Equipment zur Verfügung, um die Darsteller mit Headsets auszustatten, was keineswegs als selbstverständlich zu bezeichnen ist. Unterstützt wurden die Theatergruppe auch von Anna Wöhrmann, die als ausgebildete Schauspielerin,Kostüm- und Maskenbildnerin ihre Kompetenz einbrachte. So verwunderte es nicht, dass das Publikum einen rundum gelungenen Abend erlebte, der schließlich auch mit dem gebührenden Applaus belohnt wurde.

Marliese Först


Fotos: privat