Bericht der Begabtenförderung im Schuljahr 2019/20


Biodiversität- Wandel und Perspektiven für unsere Zukunft

Ein Bericht der jahrgangsübergreifenden Begabtenförderung (Jahrgangsstufe 6-10)

Das Volksbegehren Artenvielfalt & Naturschönheit in Bayern, besser bekannt unter dem Begriff Rettet die Bienen, fand Anfang 2019 in ganz Bayern statt. Es inspirierte die Teilnehmer an der HGF-Begabtenförderung (Enrichment), sich dem Thema der Biodiversität zu widmen und sich mit vielfältigen Fragen zum Artenschutz auseinanderzusetzen: Sind Biodiversität und Artenschutz gleich definiert? Welche Tier- und Pflanzenarten gab es früher und welche von ihnen gibt es heute nicht mehr? Warum? Was können wir Menschen tun, damit nicht noch mehr Lebensräume bedroht und noch mehr Tier- und Pflanzenarten für immer ausgelöscht werden? Warum ist das Volksbegehren auf so große Resonanz gestoßen?

Nach einer allgemeinen Diskussion über diese Fragen begaben sich die Teilnehmer*innen auf verschiedene Exkursionen um weitere Einblicke in das Thema zu gewinnen.


Ende September folgten wir daher einer Einladung von Herrn Daum, der als Revierförster bei den Bayerischen Staatsforsten tätig ist. Nach einem kurzen historischen Rückblick über die Waldnutzung in früheren Zeiten, machten wir und gemeinsam mit ihm zu einer mehrstündigen Erkundung seines Oesdorfer Reviers auf. Herr Daum zeigte uns verschiedene Baumarten und ging auf die Anforderungen der einzelnen Bäume in Bezug auf die Bodenbeschaffenheit und das Klima ein. Dabei hob Herr Daum die Baumarten hervor, die dem Klimawandel künftig womöglich trotzen können, wie beispielsweise die nordamerikanische Douglasie, die weniger Wasser als Fichten oder Eichen benötigt. In diesem Zusammenhang erklärte er jedoch gleichzeitig, dass jede Baumart von speziellen Insekten und Pilzen bevölkert wird und daher bisher in Deutschland nicht bekannte Baumsorten auch unbekannte Schädlinge einschleppen können, die hier keine natürlichen Feinde besitzen. Letztlich führt also eine Änderung des Baumbestandes auch zu einer Veränderung der Insekten und Pilze, die diese Bäume besiedeln. Eine Bepflanzung mit neuen Baumarten kann also zu einer allgemeinen Veränderung des gesamten hochempfindlichen Ökosystems Wald führen.


Besuch bei Herrn Daum, Revierförster in den Bayerischen Staatsforsten

Vertieft wurden unsere Erkenntnisse über die Vernetzung und Komplexität verschiedener Ökosysteme bei einem Besuch im Nürnberger Tiergarten. Auch wollten wir mehr über den Beitrag von Zoos zum Erhalt der tierischen Artenvielfalt erfahren und uns mit der Frage beschäftigen, inwiefern Zoos überhaupt noch zeitgemäß sind.

Gemeinsam mit Herrn Dienemann, der als Biologe für den Bereich Zoopädagogik arbeitet, erhielten die Schüler*innen anhand der verschiedenen Schreckenarten (z.B. der Stabschrecke) zunächst eine fachkundige Definition des Begriffs der Biodiversität, mit dem die Vielfalt der Lebensräume, Arten und Gene gemeint ist. Anschließend setzten wir uns mit verschiedenen Schutzprojekten deutscher Zoos in der gesamten Welt auseinander, die laut Herrn Dienemann nur nachhaltig sind, wenn sie von der lokalen Bevölkerung mitgetragen werden. So sei Tierschutz in Afrika nur möglich, wenn die Bevölkerung vor Ort einen direkten Nutzen für ihr eigenes Auskommen sehe. Durch finanzielle Anreize würden z.B. Wilderer zu Wildhütern, durch Safariangebote für Touristen bekäme die Bevölkerung Arbeitsplätze.
Der Nürnberger Tiergarten widmet sich intensiv dem Schutz der Vaquita, einer von der Ausrottung betroffenen südamerikanischen Walart, dessen Schwimmblase für unvorstellbare Summen auf dem Schwarzmarkt für chinesische Medizin gehandelt wird. Ähnlich verhält es sich mit dem Dybowski-Hirsch, der im Nürnberger Tiergarten bestaunt werden kann, jedoch aufgrund der angeblich heilenden Kräfte seines Geweihs in freier Wildbahn komplett ausgerottet wurde.

Im Wüstenhaus wurde uns abschließend nochmals bewusst, wie sehr die verschiedenen Ökosysteme der Erde auch global vernetzt sind. Uns war beispielsweise neu, dass der Staub der Sahara vom Wind bis nach Südamerika getragen wird und dort als Dünger für den Regenwald im Amazonasgebiet dient. Das Eingreifen des Menschen in ein Ökosystem hat also nicht nur lokale Auswirkungen.


Exkursion in den Tiergarten Nürnberg 

Ende Januar befassten wir uns mit der historischen Entwicklung der Biodiversität. Hierzu brachen wir in das Bamberger Naturkundemuseum auf. Wie hat sich das Tier-und Pflanzenleben in unserem Raum über die letzten Jahrmillionen entwickelt? Warum finden wir immer noch Versteinerungen von Meereskrokodilen oder Flugsauriern in der Fränkischen Schweiz und im Bamberger Umland, obwohl es diese Tiere bei uns nicht mehr gibt? Wie entstehen Fossilien und warum ist gerade unsere Region ein Paradies für Fossiliensucher? In einem speziellen Fossilienworkshop wurden uns Antworten auf diese spannenden Fragen gegeben. Wir konnten unser eigenes kleines „Fossil" herstellen, um die Entstehung von Fossilien nachzuvollziehen, die Funde aus dem Wattendorfer Steinbruch östlich von Bamberg bestaunen und abschließend noch einen Blick in den Vogelsaal des Museums werfen, der einen Einblick davon gibt, wie der Mensch die Natur vor über 200 Jahren wahrgenommen hat.

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten unsere weiteren Exkursionen und Treffen in diesem Schuljahr leider entfallen. Wir hoffen auf das kommende Schuljahr.

Insgesamt haben 19 Schülerinnen und Schüler des HGF und zwei Schüler des EGF an unserem hausinternen Enrichmentprogramm teilgenommen. Darüber hinaus hatten die Schüler*innen die Möglichkeit an den vielfältigen von der regionalen Begabtenförderung Oberfranken angebotenen Workshops teilzunehmen.


Workshop im Naturkundemuseum Bamberg 

(Fotos und Texte: Chr. Bett)