EXKURSION DER 10. JAHRGANGSSTUFE ZUR KZ-GEDENKSTÄTTE DACHAU


Aufgrund der pandemiebedingten Lage im Frühjahr 2021 war es den damaligen 9. Klassen nicht möglich, die KZ-Gedenkstätte Dachau zu besuchen. Doch die Exkursion wurde im Herbst dieses Schuljahres, am 12.10.2021, in der 10. Jahrgangsstufe nachgeholt.

Nach zweieinhalbstündiger Fahrt erreichten die Schüler*innen die KZ-Gedenkstätte und hatten zuerst Zeit, die Ausstellung im alten Lagergebäude zu besuchen und erste Eindrücke vom Lageralltag zu sammeln. Besonders beeindruckt waren die Jugendlichen von den vielen schockierenden Bildern in der Ausstellung, die die Grausamkeiten der SS und das Leid der Lagerinsassen veranschaulichten. Während sie klassenweise auf den Beginn des Rundgangs über das gesamte Areal des ehemaligen Konzentrationslagers warteten, tauschten sie sich schon intensiv über die ersten, gesammelten Eindrücke aus.
Vor dem Eingang zur Lageranlage wurden die Jugendlichen über die Anfänge und Entwicklung des ehemaligen Konzentrationslagers sowie über die grundlegenden Züge und die Historie des NS-Regimes informiert. So erfuhren die Teilnehmer*innen, dass das KZ Dachau, das 1933 in Betrieb genommen und auf dem Gelände einer stillgelegten Pulver- und Munitionsfabrik errichtet wurde, gleichzeitig das erste KZ der NS-Herrschaft war. Danach wurden die Schüler*innen aufgefordert, die Gedenkstätte durch das Eingangstor, an dem unübersehbar die Aufschrift „Arbeit macht frei" prangte, zu betreten. Jeder KZ-Häftling, der durch dieses Tor ging, verlor drei wichtige Dinge: seine Ehre, seine Rechte und seine Würde, wodurch er letztendlich seiner Menschlichkeit beraubt wurde. Durch die Tatsache, dass die Arbeiter größtenteils außerhalb des Lagers Einsätze hatten, wurden sie jedes Mal, wenn sie durch dieses Tor gingen, an den Verlust ihrer Menschlichkeit erinnert.

Die Herrschaft der SS über die Gefangenen war von Willkür und Terror geprägt, was auf dem Appellplatz besonders deutlich wurde. Hier mussten sich die Häftlinge jeden Morgen und Abend zum Zählappell einfinden. Aufgrund des regnerischen Wetters und der kalten Temperaturen war es für alle Exkursionsteilnehmer sehr gut nachvollziehbar, wie schrecklich es gewesen sein musste, dort aus Bestrafungsgründen in dünner Sträflingskleidung mehrere Stunden bei Minusgraden verharren zu müssen. Die Erläuterungen zu den Bestrafungen, die einem Insassen drohten, wenn er sich nur minimal den Anweisungen der SS widersetzte, den 3 Bs - Bunker, Baum und Bock - wurden als besonders schockierend empfunden. Die Gesundheit der Lagerinsassen, die schon durch unzureichende nährstoffarme Nahrung, Schlafmangel, die harten Witterungsverhältnisse und sehr vielen Stunden anstrengender Arbeit täglich stark geschädigt war, wurde durch solche und ähnliche Maßnahmen der SS noch zusätzlich strapaziert. Viele Häftlinge wurden in der Gefangenschaft nicht nur körperlich krank, was vor allem an der fehlenden Hygiene und an den unmenschlichen Lebensverhältnissen in den Wohnbaracken lag, sondern litten auch unter psychischen Problemen wie Depressionen oder Panikattacken. Aufgrund dieser psychischen Instabilität und wegen gezielt eingesetzter Grausamkeiten der SS waren bei den Häftlingen durchaus auch Selbstmordgedanken nicht selten. Viele Häftlinge sahen den letzten Ausweg, das Leid und Elend im Lager für sich zu beenden, darin, durch das Betreten der sogenannten Todeszone, einem 6 Meter breitem Rasenstück vor einem elektrisch gesicherten Maschendrahtzaun, ihr Leben selbst zu beenden, denn dies wurde von den SS-Soldaten in den nahen Wachtürmen bereits als Ausbruchversuch gewertet, weshalb sie den „Flüchtenden" ohne Vorwarnung gnadenlos erschießen durften. Psychischem Stress waren die Gefangenen hauptsächlich durch die beengte Situation in den Wohnbarracken ausgesetzt, in denen teilweise mehr als 1000 Häftlinge gleichzeitig leben mussten. (Das ist deutlich mehr als die gesamte Schüler- und Lehrerschaft des Herder-Gymnasiums!) Blicke durch die Fenster der rekonstruierten Baracken, die die Schüler*innen aufgrund der dort geltenden Coronaregelungen leider nicht betreten durften, ermöglichten eine Vorstellung davon, wie überfüllt und unhygienisch es war, wie wenig Privatsphäre es gab und wie schnell sich Krankheiten und Seuchen ungehindert ausbreiten konnten. Die parallele Anordnung der insgesamt 34 Baracken links und rechts der Lagerstraße diente der besseren Kontrolle der Häftlinge durch die SS.

Die Führung endete mit der Besichtigung der außerhalb des Lagers gelegenen Einäscherungshallen und der anderen zugehörigen Räume des Krematoriums. Das Dachauer Konzentrationslager verfügte anfangs über ein kleineres Krematorium mit zwei Brennöfen. Doch aufgrund sehr hoher Todesraten wurde während des Krieges ein zweites, größeres Krematorium errichtet und in Betrieb genommen, um die unzähligen Toten entsorgen zu können. Das größere Krematorium enthielt zusätzlich zu mehreren Brennöfen, Desinfektionskammern, in denen die Kleidung der Toten für nachfolgende Gefangene gereinigt wurde, Umkleiden und eine als „Brausebad" betitelte Gaskammer, was den wahren Zweck dieser Einrichtung verschleiern sollte. Im letzten Raum wurden die Leichen gelagert, die anschließend in einem der beiden Krematorien verbrannt werden sollten. Beim Betreten dieses Gebäudes hatten viele der Exkursionsteilnehmer ein mulmiges Gefühl, obwohl sie wussten, dass die Gaskammern in Dachau nie in Betrieb genommen worden waren. Im Anschluss an den Rundgang hatten die Schüler*innen noch Zeit, eigenständig sowohl das Gelände als auch die Denkmäler, Gedenkstätten und Friedhöfe zu erkunden.
Die Exkursion zur KZ-Gedenkstätte in Dachau und die dort am Originalschauplatz eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte gesammelten, schockierenden und bedrückenden Eindrücke werden die Schüler*innen wohl nie vergessen.

Marie Albert, Lars Grube, Katharina Scherl, Sarah Theurich (alle 10b) und Annika Schatz

Fotos: Chr. Molitor




Fotos: Chr. Molitor