"Jüdisches Leben in Forchheim" Vortrag von Rolf Kießling


„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen."

Die Worte des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzogs bilden den Rahmen für den Vortrag von Rolf Kießling anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Der ehemalige Lehrer des Herder-Gymnasiums und Historiker beginnt seinen Vortrag mit einem Bild mit dem Titel „Die Hölle von Auschwitz". Dieser Einstieg verweist auf die besondere Bedeutung des Datums, 27. Januar 2020. Genau an diesem Tag vor 75 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von der sowjetischen Armee befreit.

Auch Forchheimer Bürger jüdischen Glaubens gehören zu den Opfern der nationalsozialistischen Herrschaft, auch sie wurden aufgrund ihres Glaubens von den Nationalsozialisten ermordet.

Rolf Kießling konzentriert sich in seinem Vortrag aber nicht nur auf die Jahre 1933 bis 1945 – die Jahre des nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland. Sein Vortrag umfasst die Zeitspanne vom Mittelalter bis zur Deportation des letzten Jüdin in Forchheim im Jahr 1941. Er zeigt auf, dass antisemitische Vorurteile schon im Mittelalter existierten und Juden sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder unterschiedlichsten diskriminierenden Gesetzen und Verordnungen unterordnen mussten. Rolf Kießling ist es dabei ein besonderes Anliegen, den Beitrag jüdischer Mitbürger in der Stadtentwicklung Forchheims hervorzuheben – ob als Inhaber von Geschäften und Kaufhäusern oder Fabrikanten.

Die Integration jüdischer Bürger in die Forchheimer Stadtgemeinschaft endete schließlich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933. Seinen ersten Höhepunkt erlebte der nationalsozialistische Antisemitismus am 10. November 1938 mit der Zerstörung der Synagoge in der Wiesentstraße.
Bis zum Januar 1941 wurden schließlich alle Juden aus Forchheim deportiert, die jüdische Gemeinde hörte endgültig auf zu existieren.

Anhand von Einzelschicksalen geling es Rolf Kießling den Vortrag lebendig zu gestalten und das unfassbare Grauen des Holocaust für die Schüler fassbar zu machen.

Dass auch SchülerInnen des HGF bewusst die Erinnerung an jüdische Forchheimer aufrechterhalten, zeigt sich an der Tatsache, dass Herderianer an der Verlegung von Stolpersteinen in Forchheim beteiligt waren. Dafür sprach Rolf Kießling ihnen seinen Dank aus.

Die Fragen der SchülerInnen am Ende des Vortrags zeigen, dass es Rolf Kießling gelungen ist, Interesse für die Thematik zu wecken und er so dazu beigetragen hat, dass die Erinnerung nie endet.
(Le)