STOLPERSTEINVERLEGUNG in Forchheim


Der Künstler Gunter Demnig fand sich am 4. Juli in Forchheim ein um vier Stolpersteine zu verlegen, die an das Schicksal deportierter Juden erinnern sollen.

Er lässt sich von der Maxime leiten: „Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist!".

Über 73000 Stolpersteine, auf denen die Namen der Deportierten, das Jahr und der Zielort der Deportation eingraviert sind, hat der Künstler bisher in ganz Europa verlegt.

In einer bewegenden Gedenkveranstaltung in der Gereonskapelle, die der Stolpersteinverlegung vorausging, erinnerte die Klasse 10 b mit der Präsentation der Biographien und mit musikalischen Beiträgen an das Schicksal von vier deportierten jüdischen Mitbürgern.

Da ist Julius Moritz Prager, der mit 20 Jahren im 1. Weltkrieg für sein Vaterland kämpft, als beinamputierter Kriegsinvalide zurückkehrt und sich mühsam eine neue Existenz als Geschäftsinhaber eines Schuhhauses aufbaut. Sein Kriegseinsatz und die Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz werden ihn nicht vor der Deportation bewahren. Und es gibt seine Schwester Sera, die nichts ahnend in ihre Heimatstadt Forchheim zurückkehrt und das gleiche Schicksal erleiden muss.

Da ist Rosa Tiesler, eine zum evangelischen Glauben konvertierte Christin, die am Vorabend ihrer Deportation ihren Pfarrer um das letzte Abendmahl bittet und sich bitterlich weinend verabschiedet mit der Vorahnung, dass sie nicht überleben wird.

Und da ist Sofie Kotz als letzte in Forchheim lebende Jüdin, die 1944 noch im Alter von 83 Jahren nach Theresienstadt deportiert wird.

Für sie und ihre Kinder haben wir an der Verlegungsstelle ein Gedicht des rumänischen Juden Dan Pagis, der aus der KZ- Haft fliehen konnte, umformuliert:

Hier in diesem Transport

bin ich Sofie

wenn ihr meinen Sohn Karl seht

wenn ihr meine Tochter Maria Theresia seht

sagt ihnen, dass...

(Db)


Foto: Birgit Herrnleben


Foto: privat

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